Vom 10. bis 13. Februar tourten wir durchs winterliche Norditalien und besuchten sowohl Rahmenbauer, wie auch die zwei Stahlrohr-Hersteller Columbus und Dedacciai. Jeweils mit einem kurzen Abstecher zu deren Komponenten-Vertreiber Cinelli und Deda Elementi.

Bei Rewell-Titanium machten wir den Anfang. Seine Werkstatt liegt abseits des Verkehrs hoch in einem Skigebiet auf einem alleine stehenden Bauernhof, wo der Rahmenbauer gleich auch noch Esel und andere Tiere hält. In der Werkstatt, welche aus einem Raum besteht herrscht hektische Betriebsamkeit. Martin und sein Gehilfe produzieren im Jahr gegen die 300 Titanrahmen nach Mass. Sie schleifen sogar einen Teil der Rohre aussen auf einen kleineren Durchmesser (sogenannte Aussenkonifizierung) und biegen die Ketten- und Sattelstreben auf einer selbstgebauten Presse hydraulisch.

Nach 30 Jahren Rahmenbau gibt es einiges zu erzählen. Martin baut wie ich schon seit 30 Jahren Rahmen nach Mass. Wir verbrachten zwei spannende Stunden in seiner Werkstatt. Viele seiner Maschinen sind selbstgebaut oder optimiert. Es ist erstaunlich, wie er arbeitet (Die Heizung war an diesem Tag nicht aktiviert, die Aussentemperatur war ja nur etwa 0°). Viele seiner Lösungen sind über lange Zeit entstanden und weisen einen gewissen Kreativitätsfaktor auf.

Danach führte unsere Reise nach San Vito zu San Patrignano. Dort haben junge Menschen mit einem schwierigen Hintergrund die Möglichkeit, den Wiedereinstieg in das Leben zu finden. Unter Anleitung lernen sie vieles über den Rahmenbau, das Beschichten oder haben auch die Möglichkeit, in der Schreinerei zu arbeiten. Im Moment sind etwa 12 Jugendliche im Velobereich tätig und bauen Rahmen aus Alu, Carbon und selten aus Stahl.

Gianni Pegoretti (3. v.l. ein bruder von Dario Pegoretti) führte uns durch seine Fabrikation von Carbonrahmen. In das Eingliederungsprojekt integrierte junge Männer bauen unter seiner Führung die Carbonrenner und Mountainbikes. Ebenfalls werden defekte Carbonvelos anderer Marken repariert. In ihrer eigenen Beschichterei lackieren sie auch auf Auftrag für Fremde.

Es dauert eine ganze Weile bis es dann...

...so aussieht.

Na, wenn das mal keine Handarbeit ist. Ab und zu werden bei San Patrignano noch Alubikes geschweisst.

Am nächsten Morgen wurden wir von Dedacciai und Deda Elementi empfangen.

Die weiss eingeseiften Rohlinge werden gewogen, paarweise auf den Dorn gesteckt und dann per Hydraulikpresse durch die Matritze gedrückt. Fertig konifiziert kommen sie dann auf der anderen Seite heraus.

Ein bisschen was haben sie sogar an Lager, doch auch hier übernimmt Carbon aus Fernost die Überhand. Unser Rohrlager ist tatsächlich nicht viel kleiner.

 So sehen die Rahmen aus, wenn sie aus "Fern-Italien" kommen

Am Nachmittag ging's weiter zu Columbus und Cinelli.

Hier erhielten wir spannende Einblicke in die Qualitätssicherung der Stahlrohre von Columbus, die wir zum Teil für unsere Rahmen verwenden. Columbus prüft aus jeder Charge ein Rohr auf seine Zugfestigkeit, Sprödigkeit und Härte. Erreicht das Rohr die Vorgaben nicht, wird die ganze Charge nochmals thermisch nachbehandelt. Die Qualität der Arbeit und die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter hat mich äusserst positiv überrascht. Der Vorarbeiter identifiziert sich sehr mit dem Betrieb und kennt alle Prozesse auswendig.

Die Zerreissprobe auf der Maschine. Bei über 6,5 Tonnen Zuglast riss das Rohr!

Abschliessend besuchten wir die Firma SILVA. Einst grosser Fabrikant von Anlötteilen für Stahlrahmen aller Art, sind sie heute führend bei den Lenkerbändern. Wir bekamen einige vielversprechende Muster zu sehen, die kurz vor der Markteinführung stehen. Leider alles noch ein bisschen geheim und darum war fotografieren verboten.

Die Reise hat uns vieles aus Norditalien näher gebracht und einiges erklärt. Das Herzblut ist noch an manchen Orten deutlich spürbar, die Frustration sitzt aber tief, dass der Weltmarkt und auch Italien sich sehr vom Stahlrahmenbau verabschiedet haben und das bauen von Rennvelos in Italien nur noch einen kleinen Stellenwert besitzt. Manch einer hat sich an die goldigen Zeiten erinnert und überall hängen Bilder von den guten Tagen in den 70iger 80ziger Jahren. Es fehlt den meisten an der Weitsicht, dass sie das Heft wieder selber in die Hand nehmen müssten und ihre Ideen und Ideale deutlicher oder sogar mit Vehemenz und Freude vertreten müssten.

Unsere nächste Reise wird uns  nach England führen, wo die Rahmenbauerszene stark lebt.